Hymettosblau

“Mit Hellem antworten” Kaltnadel / vernis mou 30 x 40 cm, (Ausschnitt) aus der Mappe "Hymettosblau"

Ein Mappenwerk mit zwölf Radierungen von Reinhard Minkewitz und vier Gedichten von Joseph Brodsky.

Minkewitz ist bekannt geworden mit zahlreichen großen Figurenzeichnungen und Radierfolgen zu dem mesopotamischen “Gilgamesch-Epos”, dem frühesten Epos der Menschheitsgeschichte, der Sage von Gilgamesch und Enkidu, von der Suche des Menschen nach der Unsterblichkeit. In der “Odyssee” von Homer sieht er ein Fortschreiben dieses alten Textes, Poesie schöpft aus Poesie, Geschriebenes fußt auf Geschriebenem. Die Sprache selbst erinnert sich, ein lebendiges Palimpsest. So steht „Hymettosblau“ in dieser Tradition und wurde dem Schriftsteller Joseph Brodsky gewidmet. Ihn ließt Minkewitz parallel zur “Odyssee”. Dieser Vorgang lässt unzweifelhaft auf ein Dialogbedürfnis schließen, sowie der Anspielungsreichtum seiner Bilder einen lebendigen Dialog mit der „Weltkultur“ vorführt.

Die Exkurse in Geschichte und Mytologie bekräftigen eine Sinnsuche, die Transzendenz in der Kunst selbst sucht. Die Themen der Radierungen sind vielfältig: Exil und Irrfahrt, Liebe und Tod, Trennung und Einsamkeit. Seine Kunst verbindet Klassizität der Form mit zeichnerischer Modernität, wobei er die antiken Figurenvorbilder zur Darstellung individueller Erfahrung des heutigen Menschen verwendet. Am ergreifensten, am sinnlichsten exploriert der Künstler die Gesten seiner Figuren. Es sind nicht Entwürfe impressionistischer Stimmungsbilder, es sind Überschreibungen der Bedeutungen immer wieder gezeigter Gesten und je nach zeitlichem Blickwinkel wird alles zeichenhaft.

Der Zeichnung, die er in den metallischen Körper der Druckplatte hineintreibt, gilt Minkewitz`s gesammelte Aufmerksamkeit. Ihr lauscht er feinste Nuancen ab, mit ihr treibt er subtilste Spiele, ein Meister seines Handwerks. Joseph Brodsky, 1940 in Leningrad geboren, wurde 1964 in einem Prozeß wegen “Parasitentums“ zu fünf Jahren Zwangsarbeit im russischen Norden verurteilt und 1972 zur Ausreise aus der Sowjetunion gezwungen. Im Jahr 1987 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Am 28. Januar 1996 erlag Brodsky mit fünfundfünfzig Jahren einem Herzinfakt.